James Elroy Fleckers Gedicht "die träumelose stunde" / "The dreamless hour" in deutscher Übersetzung
- sebastianbubner
- Apr 30
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die träumelose stunde
ich sprang auf traumlos und ich sucht den morgn
der an mein fenster schlug: von dessen rand
ich niedersah auf herbstdurchleuchtet land
licht auf den hängen baumlang neu geborn
wenn dinge gar so lieblich, warum zerrn
an andren dingen als dem lichtverklärn?
erinner ich die galiläsche mär
ich willensmensch ich agnostischer herr?
vergessen sei der glaub, mysterium tot
gedanke dessen, was ich nicht auslot
genug sei licht geheimnisvoll im baum
genug, dem freund, gewählt von mir, vertraun
I rose from dreamless hours and sought the morn
That beat upon my window: from the sill
I watched sweet lands, where Autumn light newborn
Swayed through the trees and lingered on the hill.
If things so lovely are, why labour still
To dream of something more than this I see?
Do I remember tales of Galilee,
I who have slain my faith and freed my will?
Let me forget dead faith, dead mystery,
Dead thoughts of things I cannot comprehend.
Enough the light mysterious in the tree,
Enough the friendship of my chosen friend.
Anmerkung: Nachdem ich dieses Gedicht rein metrisch übersetzt hatte, eher aus dem Gefühl heraus, dass ich von James Elroy Flecker als Person und Persönlichkeit begeistert war, bereitete ich das Gedicht für die Publikation hier vor und überprüfte dabei noch einmal meine Übersetzung. Diese war sehr ungenau in der Wiedergabe der Aussage des Ursprungsgedichts, so dass ich sie mehr schlecht als recht überarbeitete. Mir fiel erst bei dieser Gelegenheit auf, dass Flecker die Idee, einen Glauben zu haben, von der christlichen Religion ablöst, und zwar im Zeichen des freien Willens. Diesen freien Willen setzt der Adressat des Gedichts, und ich benutze hier bewusst die männliche Form, dafür ein, eine Beziehung zu einem Mann und nicht zu einer Frau einzugehen. In dieser Beziehung sieht der Adressat nun tatsächlich seinen im positiven, naturwissenschaftlich messbaren Licht einer diesseitigen Wahrheit ihm aufscheinenden und klar werdenden Gott. Diese Aussage ist einerseits sehr berührend, weil sie eine Art Kampfschrei der beginnenden Schwulenbewegung ist. Andererseits ist es natürlich problematisch, wenn man eine Beziehung zwischen sich und einem anderen Menschen überhöht und zu einem religiösen Inhalt macht. Man müsste sich die Beziehungen von Flecker ansehen. Ich wäre sehr neugierig, zu sehen, wie er dieses Verhältnis zwischen Menschen, das gleichzeitig den christlichen Gott ersetzt, gestaltet hat. Das Gedicht, dass äußerlich vertrant und verträumt symbolistisch wirkt und mit nicht viel sprachlicher Raffinesse aufwartet, ist inhaltlich revolutionär.
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