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Die Tiersymbolik bei Karl Heinrich Waggerl

  • Writer: sebastianbubner
    sebastianbubner
  • Apr 28
  • 2 min read

Ich arbeite in kritischer Perspektive zu diskriminierenden Diskursen in der deutschsprachigen Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und war etwas verwundert, um es stark untertreibend auszudrücken, dass mein Vorschlag, eine detaillierte antidiskriminierende Arbeit an den Texten bis heute beliebter Autor_innen dieser Zeit anzuregen, bei Wikipedia innerhalb von Minuten wie eine lästige Fliege vom Blatt gewischt wurde - und das ohne jeglichen Kommentar. Hier eine kurze Kontextualisierung des von mir recherchierten und dort eingestellten Zitats:


In einer kurzen Passage, die vermeintlich der Naturbeschreibung gewidmet ist, entwickelt der bis heute durch sein zum Museum umgewandeltes Wohnhaus geehrte Autor Karl Heinrich Waggerl ein komplettes Schlachten-Szenario der Arier gegen PoC, die eindeutig mit dem Z-Wort identifiziert werden. Aufbauend auf dem in der nationalsozialistischen Belletristik zentralen Blitz- und Donnermotiv und einer Gewitter-Beschreibung wird als Lichtbringerfigur und Sonnengott der Falke eingeführt und auch ein völkischer Verweis auf das Mittelalter, die Ritterlichkeit und die Magie darf nicht fehlen, wobei der auktoriale Erzähler sich auch als Sehender und Seher, als der also, der das Schauspiel begreift, in die Handlung integriert und am Schluss eine Trophäe von der Brust der getöteten Krähe (einer der ins Tierreich übersetzten Rom_ni) an seinen Hut steckt. So führt sich der Autor als Figur und Teilnehmer des himmlischen Gemetzels in die Handlung ein, in das tödliche „Spiel", wie er es in Anlehnung an Ritterspiele sowie völkisches Theater nennt: Er ist der Ritter mit dem Federbusch, der den Falken, völkisches Sinnbild des Sieges des „Guten", aussendet und ihm befiehlt, zu töten:


"Krähen sind wunderliche Vögel, sie haben etwas Ungewisses, Drohendes in ihrer ganzen Art. Zigeuner sind sie, ein geheimer Orden von kleinen Dieben und Herumtreibern, und sie leben auch für sich nach dunklen Bräuchen und Gesetzen. Jetzt hocken sie in den kahlen Wipfeln der Bäume, putzen sich und spreizen die Flügel und rufen einander zu, und der Ahorn sieht wie verwunschen aus, als trüge er plötzlich eine schwarze Last von höllischen Früchten in seiner Krone. Plötzlich aber kreischt eine von den Krähen laut auf, und die ganze Schar erhebt sich wieder mit klatschenden Schwingen. Ich weiß, was das bedeutet. Ich habe den Falken am Himmel längst gesehen. Es ist ein ganz kleiner Falk mit lichtem Gefieder, und die Krähen sind ihm bitterfeind. Sie kreisen ihn ein, andere kommen von den Wäldern her dazu, aber der Falk fliegt schneller als die Krähen, sein heller Bauch zuckt wie ein Funke in der schwarzen Wolke auf und nieder. Er wendet, läßt sich fallen und steigt wieder ohne einen Flügelschlag, manchmal stößt er auch blitzschnell zu, und dann wirbelt eine von den Krähen schreiend in die Tiefe.

Oh, das ist ein schönes, ein ritterliches Spiel am Abendhimmel, mir klopft das Blut heiß in der Kehle. Zuletzt hebt sich der Falk aus dem Schwarm, und dann schnellt er mit einem mühelosen Schwung weit hinaus in die rauchbraune Ferne. Ich sehe eine Feder fallen, der Wind treibt sie mir zu. Sie ist schwarz, wie sich denken lässt, ein hübsches Federchen von einer Krähenbrust.

Hübsches Federchen, - ich brauche einen Schmuck, etwas Verwegenes für meinen Hut."


[Karl-Heinrich Waggerl, Das Wiesenbuch: Insel-Bücherei 426, Leipzig, Insel, o.J. (1933).]

 
 
 

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