Die globale Botschaft der GenZ-Hedonist_innen: Zu Gast in Berlin
- sebastianbubner
- Apr 28
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Alisher Morgenshtern ist eigentlich der Knotenpunkt all dessen, was gerade aktuell auf den Nägeln brennt. Er ist eine Art Versöhner der Ukrainer_innen und Russ_innen. Indem er ein hedonistisches Vokabular benutzt und eine Art Fuck-you-Punk-Attitüde an den Tag legt, verbunden mit dem grenzenlosen Consumerism der Rapszene, windet er sich aus den Sandkastenspielen der Krieg spielenden Politiker_innen heraus und muss keine Stellung nehmen zu Palästina versus Israel, Ukraine versus Russland, etc. etc. Indem er schlicht sagt, alle sollen sich vertragen, wiederholt er die machtvolle These Bertha von Suttners, „Die Waffen nieder!“ Die Putin-Administration hat das sofort verstanden, und in einem grenzenlos peinlichen Beweis, dass Diktaturen wehleidig sind und keinen Spaß verstehen, haben sie Alisher zum vom Politbüro persönlich Verfolgten, als ‚Agenten im Ausland’ getaggten Heimatlosen gemacht, was Morgenshtern stilecht mit seinem Umzug nach Dubai konterte, Sehnsuchtsort aller Underdog-GenZi. Gerade durch die Schlauheit dieser ironischen Oberflächlichkeit hat seine Karriere wirklich abgehoben und auf einem Konzert, das Morgenshtern in Berlin gab, konnten sich russische und ukrainische Jugendliche zusammen den Pogo geben.
Gen Zi macht das eigentlich ganz clever. Ihnen ist alles egal, was als Partisan_innen-Aktivismus für oder gegen eine bestimmte Diskriminierung zu Buche schlagen könnte. Der Nachteil ist natürlich, dass sich Gen-Zi ausruht auf den Straßenkämpfen und der blutig erfochtenen Rechtlichkeit aller Menschen im demokratischen Miteinander. Die setzen sie einfach voraus. Sie haben sich in ihrer Jugendkultur schon versprochen, als Erwachsene genau die hinter dem Ofen liegenden Spießer zu werden, die ihnen in Form ihrer Eltern jetzt gerade das Leben zur Hölle machen. Diese Option muss, wie immer bei den (Klein)bürgerlichen, unbedingt offengehalten werden. Und so scheitern sie gerade gründlich an den Dummbacken-Wahlverhalten derer, die aus reiner Langeweile die Diktatur wählen, gelangweilt-langweilende Gedankenfaulstiche.
Auf jeden Fall hat mit Morgenshtern eine neue Literaturepoche begonnen. Das haben die Positions-ich-Gedicht-Narzisst_innen anscheinend noch gar nicht gecheckt. Ein 26-Jähriger hat hier als eine Art Anti-Rimbaud mit punkigen Mitgröhlhymnen und aufgekauften ikonischen Mode-Accessoires wieder einmal aus Scheiße Gold gemacht, so wie im Grunde Rimbaud auch, der ja aus einer sehr elenden bourgeoisen Vorstadt-Realität Funken schlug und die Moderne bedingungslos anerkannte. Für Morgenshtern ist es eben die Postmoderne.
23.12.2024
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